Zur Geschichte des Erzgebirges

Als es den "Niedersachsen" in ihrer Heimat zu eng wurde und sie in "Angelsachsen" geschlagen wurden, wandten sie sich gen Osten. Auf dem Weg hielten sie in "Sachsen-Anhalt" kurz an und gründeten dort auf der Burg Wettin eine neue Dynastie. Irgendwann vor tausend Jahren, als der Kaiser noch ´was zu sagen hatte, belehnte er die Wettiner mit der damaligen Mark Meißen. Seitdem, genauer gesagt, seit 968 ist die Stadt Meißen an der Elbe schon Bischofssitz.

Einem grünen Riegel gleich lag zu dieser Zeit an der Nordgrenze des Königreiches Böhmen & Mähren der "Miriquidi", der ursprüngliche, dichte Urwald. Quer hindurch gab es damals nur ein paar Schmugglerpfade, die Fuhrwagen der Händler nutzten lieber die bequemere Porta Bohemica - das Elbtal - für den Weg an die Bernsteinküste.Als erste kamen Zisterziensermönche und gründeten - z.B. 1162 in Altzella bei Nossen, oder in Grünhain bei Schwarzenberg - Klöster. Ihnen folgten Bauern, die den Wald rodeten und charakteristische Waldhufen-Dörfer anlegten. Da der Wald heute längst nicht mehr so dicht ist, ist diese Dorfform nur noch selten zu entdecken.

Hinter dem Hof begann der Bauer zu roden, Stubben und Lesesteine kamen an den Rand des Ackerstreifens. So entstanden die Baumreihen zwischen den Ackerstreifen, die mancherorts noch heute die Talhänge gliedern. 

Den Mönchen folgten außerdem: fränkische Siedler, Harzer Bergleute und böhmische Exilanten, sie vermischten sich mit den übriggebliebenen Slawen und heißen heute "Sachsen": "Ä Völgsch`n, das fier seene scheene Schbrache beriehmt iss". Und dem sich die "Obersachsen" - die Erzgebirgler - überhaupt nicht zugehörig fühlen.

Noch heute steht in manchen Geschichtsbüchern, dass "das Schmuggeln und das Wildern zu den Lieblingsbeschäftigungen der Gebirgler zählt"... was freilich auch den rauen Lebensbedingungen und den geringen Erträgen der Landwirtschaft geschuldet war. Heute freilich jagen wir nach anderer Beute...

Richtig interessant wurde es aber erst im Jahre 1168 und dieses Datum steht ziemlich genau fest.

Ob es nun ein Bauer beim Roden war oder Salzfuhrleute auf dem Weg nach Böhmen, ist nicht sicher überliefert. Jedenfalls wurde in Christiansdorf im heutigen Freiberg bestes Silbererz gefunden. Flugs wurde die Flur - die zu dieser Zeit dem Kloster Altzella gehörte - vom Markgrafen zurückgetauscht, eine kleine Burg - der "Turmhof" - errichtet und mit dem Abbau begonnen. Und weil es hier noch keine Bergleute gab, wurden diese mit dem cleveren Versprechen auf freie Schürfrechte angelockt.

Die Schürfrechte gab es tatsächlich umsonst, jeder durfte sein eigenes Glück versuchen. So bekam Freiberg seinen Namen. Vom Ertrag freilich behielt sich der Markgraf ein Zehntel vor. Ein weiteres Zehntel ging an die Kirche, noch eins an die Betreiber der zur Entwässerung der Bergwerke wichtigen Stollen und so weiter. Ganz so frei war es also nicht... Aber so fortschrittlich, dass das sächsische Bergrecht im 14.Jahrhundert im "Sachsenspiegel" aufgeschrieben und für lange Zeit Maßstab für Bergwerke in aller Welt wurde. Auch unsere eigenen Wurzeln stecken in der Erde...

Das Stollenmundloch hier gehört wahrscheinlich zu Abbauen auf dem " Gottes Segen Macht Reich- Flachen", einem Erzgang parallel zum "St. Katharina- Flachen" in Langenberg, neben der heutigen Ausflugsgaststätte St. Katharina.

 Sachsens erste Ferienstraße wurde folgerichtig die "Silberstraße", die im Wesentlichen der Bundesstraße 101 quer durch das Gebirge folgt, genannt . Entlang der Silberstraße finden sich viele Möglichkeiten, diese Wurzeln Sachsens noch heute zu besichtigen.

Verfasser: Juri Boeck aus Freiberg

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